Engel für Chemnitz I Angel for Chemnitz

„Engel für Chemnitz“, Silke Rehberg
Fotograf: Ornilepi, Lizenz: CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

English below

Im Rahmen unserer Foto-Challenge „Botschaften der Engel“ erkunden auch wir vom Fraktalwerk Projektraum Chemnitz und seine Engel, auch von Berlin aus. Heute ein Werk im öffentlichen Raum von Silke Rehberg, Standort: Chemnitz, Bahnhofstraße.

1997 ist der bronzene Engel in Chemnitz angekommen – und bis heute geblieben. Auf ihrer Säule aus Stahl steht sie und blickt aus luftiger Höhe von achteinhalb Metern in die Stadt, Rücken und Flügel dem Busbahnhof zugewendet. Gerade aufgerichtet steht sie mit leicht gebeugtem Kopf da, ihr Standbein ruht mit dem nackten Fuß auf dem Kopf der Säule, ihr Spielbein schwebt mit leicht abgesenktem Fuß. Ihr rechter Arm ist waagerecht nach vorn getreckt und der Zeigefinger in Richtung des Bürgerzentrums, als wolle sie den Weg weisen, hinein in die Stadt Chemnitz. Jederzeit könnte sie sich mit einem Flügelschwung in die Lüfte erheben und davonfliegen, ruhen ihre Flügel doch keineswegs zusammengefaltet auf dem Rücken.

Silke Rehberg hat ihrem Engel noch etwas mitgegeben: „Weggeworfenes“ findet sich auf dem Boden des Platzes vor dem Moritzhof und im Inneren des Gebäudes in Form von Mosaikbildern aus kleinen Keramiksteinen. Bananenschale, das Kerngehäuse eines Apfels, Zigarettenstummel, zerbrochenes Glas, eine Kassette mit ausgeleiertem Band. Übriggebliebenes, das tagtäglich mit Füßen getreten und nicht von der Stadtreinigung entsorgt werden kann, ein stummes Memento Mori.

Mosaikbilder vor dem Moritzhof © Fraktalwerk

Unsichtbar sind Engel und Bodenmosaiken für Menschen, die hastig die Stadt durchquert, um irgendwo anzukommen. Wer jedoch unterwegs ist in der Stadt, die Zuhause, vielleicht sogar Heimat sein kann, wird fähig sein, den Blick zu heben und zu senken – wahrzunehmen.

Marlen Wagner

Angel for Chemnitz

As part of our photo challenge „Messages of Angels“, we artists from Fraktalwerk Project Space Chemnitz explore Chemnitz and its angels, also from Berlin. Today a work in public space by Silke Rehberg, location: Chemnitz, Bahnhofstraße.

In 1997, the bronze angel arrived in Chemnitz – and has remained until today. She stands on her steel column and looks out over the city from a lofty height of eight and a half metres, her back and wings turned towards the bus station. She stands straight up with her head slightly bent, her supporting leg rests with her bare foot on the head of the column, her playing leg levitating with her foot slightly lowered. Her right arm is stretched horizontally forward and her index finger in the direction of the Civic Centre, as if to point the way, into the city of Chemnitz. At any time, she could take to the skies and fly away with a flutter of her wings, which are by no means folded up on her back.

Silke Rehberg has given her angel something else to take with her: „discarded things“ can be found on the floor of the square in front of the Moritzhof and inside the building in the form of mosaic pictures made of small ceramic stones. Banana peel, the core of an apple, cigarette butts, broken glass, a cassette with worn-out ribbon. Leftovers that are trampled on every day and cannot be disposed of by the city cleaning service, a silent memento mori.

Invisible are angels and floor mosaics for people who hastily cross the city to arrive somewhere. But those who are calmly, mindful on the move in the city, which can be home, perhaps even homeland, will be able to raise and lower their gaze – to perceive.

Marlen Wagner